Sieben Mädchen oder Knaben im Alter zwischen sieben und sechzehn Jahren leben zusammen mit zwei Sozialpädagoginnen und zwei Sozialpädagogen in einer Wohngruppe mit eigenem Bad, Küche und Esszimmer. Die Gemeinschaft der Wohngruppe vermittelt den Kindern Geborgenheit, Schutz und Verlässlichkeit. Sie verlangt aber auch Einordnung, Vezicht und Rücksichtnahme, was bei den Kindern Widerstände auslösen kann. Durch Diskussionen und Auseinandersetzung üben wir mit ihnen, diese Gefühle zu meistern.
Damit das Kind Rückzugsmöglichkeiten hat und seine Intimsphäre wahren kann, bewohnt es ein eigenes Zimmer. Die Kinder besuchen ihre Eltern oder Bezugspersonen jedes zweite oder dritte Wochenende und in den Schulferien. Einzelne Jugendliche, die in unserer Lehrlingswohnung leben, betreuen wir bis zur abgeschlossenen Berufslehre. Eltern oder Bezugsperonen helfen mit, Eltern bleiben Eltern ihrer Kinder. Für uns sind sie - oder bei Waisen deren Bezugspersonen - wichtige Ansprechpartner bei der Suche nach der bestmöglichen Entfaltung des Kindes.
Begegnung - Beziehung: Der Mensch ist auf eine gesellschaftliche Lebensweise hin angelegt und von Geburt an auf Mitmenschen und soziale Beziehungen angewiesen. Für das Zusammenleben mit den Kindern sind uns folgende Bereiche wichtig:
- Die "Atmosphäre", die gute Stimmung im Haus: Offen, warm, akzeptierend, unterstützend, verständnis- aber auch respektvoll soll der Umgang zwischen uns Erwachsenen und den Kindern sein.
- Ausgewogenheit von Erziehungsprinzipien: Kinder und Jugendliche benötigen gleichermassen lenkende, bestimmende Grenzen setzende wie auch gewährende, akzeptierende, verständnisvolle Unterstützung.
- Nähe - Distanz: Als Erwachsene sind wir bestrebt, uns betreffen zu lassen, Gefühle zu zeigen, uns mit Stärken und Schwächen einzubringen. Affektive Nähe zum Kind - im Abstimmung zum Bedürfnis und zur Souvernänität des Kindes - ist wichtig. Immer wieder benötigen wir aber auch Distanz, damit wir unser Handeln reflektieren und wieder neu und unbelastet Beziehungen aufnehmen können. Wir sind bestrebt, uns fremd erscheinende Lebensentwürfe zu verstehen und neben unseren eigenen zu akzeptieren.

